Mittwoch, 8. April 2015

Pflichtkunst

Wer sich bei diesem Titel wundert, tut dies zurecht, denn Pflicht und Kunst haben wenig gemein. In unserem Fall habe ich die Bezeichnung für einen Beitrag gewählt, der sich mit  Kunstwerken beschäftigt, die für die Externistenprüfung in Bildnerische Erziehung, Schulstufe 5 und 6, angefertigt werden mussten. Da ich die Themen oder Anregungen teilweise ganz interessant fand, beschloss ich einige davon mit euch zu teilen.
Verwandlung von Mensch zu Tier
Ganzkörperfigur wählen...
abzeichnen. Tolles Training!
Hautfarbe und Deckweiß
Geldschein gestalten
Lieblingsfarbe im Zimmer

Interessant war für mich die Beobachtung, dass der Spaß an der Arbeit abnahm, je mehr Vorgaben zu erfüllen waren. Das Einschränken auf ein Gestaltungsmittel allein ist schon Zwang genug, wird nun auch noch ein Thema vorgegeben, sinkt die Motivation drastisch. Es wird auch durch meine Praxis bestätigt, dass es genügt, entweder ein Thema ODER ein Gestaltungsmittel vorzuschreiben. Selten mache ich im Rahmen unserers Unterrichts Vorgaben, die Kinder zeichnen und malen frei nach Lust und Laune, dabei decken sie alle Bereiche, von der Naturstudie bis zur Farbexplosion, mühelos ab. Erziehung zur Freiheit fordert auch freie Kunst. Alle, die das nicht nachvollziehen können, sollen sich ein Kind vorstellen, dass in Anbetracht bunter Pastellkreide sofort an einen Regenbogen denkt und dann ein düsteres Stilleben gestalten soll. Der eigentliche Gedanke, das was so interessant umzusetzen gewesen wäre, bleibt auf der Strecke. Im Gegensatz dazu beschert Flexibilität in dieser Hinsicht wunderbare Ergebnisse, die man den Kindern vielleicht gar nicht zugetraut hätte.

Natürlich waren noch andere Aufgaben zu erledigen, wobei sie den Kindern weniger Spaß als die gezeigten Arbeiten gemacht haben. Ich fand die Gestaltung eines Buchstabenturms (mit ausgeschnittenen Buchstaben) sehr interessant, die Kinder waren eher wenig motiviert, da sie sich für einen Buchstaben entscheiden mussten.
Was haltet ihr von Pflichtkunst oder Kunstzwängen. Eine interessante Frage, die sich auch in anderen Unterrichtsgegenständen aufwirft oder einfach etwas, worüber es sich mal nachzudenken lohnt.

(Nachdem ich keinen Laptop und kein Smartphone besitze, kann ich eure Kommentare nicht immer zeitgerecht beantworten. Bitte um Nachsicht. Falls ich eine Nachricht übersehen sollte, gebt einfach Bescheid. Danke.)

Dieser Post ist auf unserer Kunstseite bei den zugehörigen Schulstufen zu finden.

Kommentare:

  1. Die Verwandlung vom Mensch zum Tier finde ich sehr interessant und super gelungen.
    Ich merke bei meiner Arbeit, dass Wahlmöglichkeiten und die Freiheit Dinge in seinem Tempo und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, allen das Schulleben leichter machen. Bei meinen Schulkindern sind ja oft Arbeitsverweigerung, Gewalt und Verhaltensauffälligkeiten ein Thema (oft die Gründe warum sie zu uns kommen). Mit unserer offenen Arbeitsweise nehmen diese Dinge allerdings massiv ab, bzw. treten kaum bis nicht mehr auf. Warum wohl?! Da ich meine Hauptaufgabe darin sehe, den Kindern wieder Selbstvertrauen und Freude am Arbeiten zu vermitteln (der Fortschritt im Lernstoff kommt dann eh von ganz allein), könnte ich fast jedes Mal heulen, wenn dann ein Kind zu mir so Dinge sagt, wie "Muss ich eigentlich eine Pause machen, oder darf ich weiterarbeiten". Einerseits könnte ich da vor Glück heulen, weil ich merke, wie viel Freude das Kind an seine Arbeit hat, andererseits ist mir zum Heulen, welchen Leidensweg (und den haben die Kinder hinter sich, bevor sie zu uns kommen) die Kinder in der Regelschule hatten und warum es so oft nicht möglich ist, dass in Regelschulen so gearbeitet wird, dass alle Kinder mit Freude arbeiten können und Lernerfolge haben.
    Das ist für mich gerade wirklich ein Thema, dass mich ganz stark beschäftigt. Weil ich es nicht verstehe, dass es nicht möglich ist zu individualisieren und den Kindern die Freiheit zu geben, ihren eigenen Lernweg zu gehen, Fehler zu machen, aus ihnen zu lernen ,..... und das obwohl die Rahmenbedingungen mehr als optimal wären. Ahhhh, es ist zum Haare raufen.
    lg
    Anja

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  2. Genau, es wäre alles ganz einfach! Für mich ist es immer wieder schön von deiner Arbeit zu lesen. Toll, dass es so engagierte, frei denkende LehrerInnen wie dich gibt!
    Herzliche Grüße, Karin

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  3. Lovely art! I too like the transformation from human to animal!

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  4. Zur Torte sage ich nur: Ups!

    Ich glaube, dass in der bildnerischen Erziehung der Schlüssel - wie eigentlich in jedem Gegenstand - in der Vielfalt und Abwechslung leigt. Mal ist es eine Technik, dann ein Thema, mal genauer definiert, dann wieder total frei. Abwechslung ist einfach das Zauberwort. Vom haargenauen Abzeichnen der Modelfigur über das Entwerfen eines Geldscheins bis zur völligen Freigabe gibt es so viele Stufen. Alle wollen gegeangen werden. Und ich glaube die Kinder halten es ganz gut aus mal einen faaaaaden Bücherturm zu machen, wenn sie wissen, dass das nächste Zeichenthema anders wird.

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  5. My children definitely enjoy "free-art" more than mandatory projects. But, sometimes they take waht they are "forced" to learn, and use it creatively in their own projects.

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    1. Yes, that´s really good! The children understand, what´s important to learn and they can be creative without loosing their enthusiasm!

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Danke für dein Interesse, ich freue mich auf deinen Beitrag!